Wir über uns

Zur Entwicklung der Duisburger Werkkiste

Im Jahre 1982 hat die katholische Kirche in der Dieselstraße in Duisburg-Bruckhausen eine Beratungsstelle für arbeitslose Jugendliche eröffnet. Unter teilweise abenteuerlichen Umständen und mit viel Improvisationstalent fanden erste Beratungsaktivitäten in einem ehemaligen Lebensmittelgeschäft statt. Mangelnde Ausbildungsmöglichkeiten sowie fehlende Arbeitsplätze führten schon damals besonders im Duisburger Norden zu hohen Arbeitslosenzahlen.

Hinzu kam, daß ein großer Teil Jugendlicher aufgrund fehlender schulischer Qualifikation besonders von Arbeitslosigkeit bedroht war.

In Zusammenwirken von Katholischem Gemeindeverband, Katholischem Jugendamt, Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und dem Bistum Essen wurde die Jugendberufshilfeeinrichtung Duisburger Werkkiste begründet, um praktische Solidarität zu beweisen und jungen Menschen Perspektiven zu eröffnen. Aus diesem ersten Engagement hat sich inzwischen eine facettenreiche Einrichtung der Jugendsozialarbeit entwickelt.

Zu Beginn der Initiative ging es der Duisburger Werkkiste überwiegend um die persönliche Beratung und Hilfestellung für arbeitslose Jugendliche bei der Arbeits- und Ausbildungsplatzsuche,  bei Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen.

Dazu wurden schon bald nach Einrichtung der Beratungsstelle als konkrete Hilfsangebote erste Lehrgänge für arbeitslose Jugendliche eingerichtet. In Arbeiten-und Lernen-Maßnahmen wurden Jugendliche auf den nachträglichen Erwerb des Hauptschulabschlusses vorbereitet, in berufsvorbereitenden Maßnahmen konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Grundkenntnisse in den Bereichen Textil, Elektro und Holz erwerben.

Die Ausweitung der Aktivitäten der Duisburger Werkkiste führte im Laufe der Zeit zu räumlicher Enge, die mit der Anmietung von Räumen im Kolpinghaus Marxloh, und der Errichtung der Werkeinrichtung Neumühl gelöst wurden. In Eigenarbeit gestalteten die Jugendlichen mit ihren Anleitern ihre Werkstätten und Unterrichtsräume.

Im Herbst 2001 ist das Jugendberufsbildungszentrum Marienheim auf der Dahlstraße eingeweiht worden. Alle bisher in Neumühl angesiedelten berufsvorbereitenden Maßnahmen aber auch Leitungsbüro, Verwaltung, Büroausbildung sowie ein Beratungsbüro sind seit Anfang 2002 dort zu finden. Die inzwischen technisch marode Werkeinrichtung Neumühl ist nach vielen Jahren nun aufgelöst.

Das Spektrum der Möglichkeiten für arbeitslose Jugendliche konnte seit den Anfängen der Duisburger Werkkiste kontinuierlich erweitert werden. Angefangen bei berufsvorbereitenden Maßnahmen über qualifizierende Kurse wie den Hauptschulabschlusskurs bis hin zu außerbetrieblicher Ausbildung und ausbildungsbegleitenden Hilfen für Auszubildende spannt sich der Bogen der Aktivitäten der Duisburger Werkkiste.

Im Aufeinanderfolgen verschiedener Lehrgänge ergibt sich für den einzelnen Jugendlichen unter Umständen ein internes Verbundsystem, das von Berufsvorbereitung über Qualifikation bis hin zu Ausbildung reichen kann. Außerdem werden regelmäßig Kontakte zu weiterführenden Lehrgängen anderer Träger hergestellt.

Derzeit werden in Maßnahmen der Duisburger Werkkiste über 1100 junge Menschen von qualifizierten Lehrkräften, Sozialarbeitern, Ausbildern und Werkanleitern betreut.

Neue Wege
Die Angebote der Jugendberufshilfe sind in den vergangenen Jahren immer wieder modifiziert und sich verändernden Bedingungen und Bedürfnissen angepasst worden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Duisburger Werkkiste haben dafür eine Reihe von richtungsweisenden Strategien der Berufsvorbereitung entwickelt. In Kooperation mit der Argentur für Arbeit und weiteren Trägern der Jugendsozialarbeit sind neue Qualifizierungskonzepte entstanden, die den Jugendlichen beim Einstieg ins Erwerbsleben helfen können.

Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft geförderten Modellprojektes hat sich die Duisburger Werkkiste bereits vor Jahren innovativ mit der Berufsspektrumserweiterung für Mädchen und junge Frauen befasst. Ergebnisse dieser Arbeit haben konzeptionell Eingang in die Mädchenbildungsarbeit in Duisburg gefunden.

Schulprojekte zur Berufsorientierung und Lebensplanung in den Klassen 8, 9 und 10, Test- und Bewerbungstrainings sowie Konzepte zur individuellen Förderung wie das Schülerprojekt Treffer sind in der Duisburger Werkkiste entwickelt worden. In engem Zusammenwirken mit der Beratungsstelle sind Internet-Projekte als niederschwelliges Angebot zur Berufsorientierung inzwischen fester Bestandteil des Förderungskonzeptes der Einrichtung. Der in der Landesarbeitsgemeinschaft der Internetcafés standardisierte Internetpass, den die Jugendlichen in der Duisburger Werkkiste bekommen können, ist  als Nachweis für Medienkompetenz anerkannt. Im Rahmen der Berufsvorbereitung und Qualifizierung ist die Beratungsstelle in die verschiedenen Kursgruppen der Duisburger Werkkiste mit eingebunden.

Im Laufe der letzten Jahre hat sich als weiterer Schwerpunkt der Arbeit die Ausbildung in verschiedenen Berufsfeldern herauskristallisiert. Während wir vor Jahren die Stufenausbildung zur Industriebekleidungsschneiderin hatten, bilden wir heute Bürokaufleute, Friseure und Kosmetikerinnen,Verkäuferinnen und in unseren Sammel BAE`S Fachkräfte für Schutz und Sicherheit, Tierpfleger, Verkäufer, Kfz.-Mechaniker, Heizungs- und Lüftungsbauer, Dachdecker und weitere Handwerksberufe aus.

In unseren Betriebsteil Gesundheit und Soziales können die Teilnehmer im Anschluss an die die ARGE Maßnahme J.O.B. C.A.M.P. an der Prüfung Krankenpflegehelfer/in teilnehmen. Dazu ist die Einrichtung seit 1998 als Schule für Krankenpflegehilfe von der Bezirksregierung anerkannt. Die enge Zusammenarbeit mit der Kath. Zentralschule für Kranken- und Kinderkrankenpflege sowie dem Kath. Fachseminar für Alten- und Krankenpflege, Duisburg, e.V. und den angeschlossenen Pflegeeinrichtungen gewährleistet bestmögliche Übergänge in Ausbildung und Beschäftigung.

In der aktuellen Situation knapper werdender Mittel ist eine Bündelung der im Stadtteil bestehenden Möglichkeiten im Sinne einer Vernetzung dringend geboten. Die Duisburger Werkkiste leistet dazu in Bietergemeinschaften der Duisburger Bildungsträger und durch enge Kooperation mit weiteren Trägern der Jugendsozialarbeit, ihren Beitrag.

Projektarbeit, erlebnisorientierte Pädagogik und Förderung von Kreativität sind seit langem Bestandteil der Arbeit in der Duisburger Werkkiste. Werkwochen zur Erkundung von Berufen, Sozialtraining oder eine gemeinsame Fahrt auf einem Segelschiff in Holland gehören zu den regelmäßigen Angeboten der sozialen Qualifizierung. Die jährlich stattfindenden Jugendkulturtage eröffnen den Jugendlichen aus Kursen und aus dem Stadtteil die Möglichkeit in Form unterschiedlicher kultureller Erlebnisse Farbe in ihren häufig grauen Alltag zu bringen.

Auch nach inzwischen 25 Jahren erfolgreicher Arbeit im Duisburger Norden bleibt die Arbeit der Duisburger Werkkiste schwierig. Träger und Mitarbeiter müssen sich großen Herausforderungen stellen. Die Duisburger Werkkiste ist mit ihren Angeboten abhängig von öffentlicher Finanzierung: Lehrgänge und Fördermaßnahmen werden im Wesentlichen durch die Arbeitsverwaltung finanziert.Da die meisten Maßnahmen der Jugendberufshilfe über Ausschreibungen vergeben werden, ist Planungssicherheiteine der wichtigsten Forderungen für die Zukunft, nicht zuletzt auch für die berufliche Zukunft der Fachkräfte in der Einrichtung.

Den Beschäftigten der Jugendberufshilfe müssen Arbeitsbedingungen und Arbeitsplätze angeboten werden, welche den hohen Anforderungen, die an die Mitarbeiter gestellt werden, auch entsprechen. Gerade für die komplexen Aufgabenbereiche der Jugendsozialarbeit werden Mitarbeiter benötigt, die engagiert, kompetent und mit hohem Einsatz im Interesse der Jugendlichen arbeiten. Diese Kräfte müssen besonders qualifiziert sein und sollten möglichst Mehrfachqualifikationen besitzen. Viele Mitarbeiter in der Duisburger Werkkiste haben daher zu ihrer pädagogischen Ausbildung eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem gewerblichen, kaufmännischen, pflegerischen oder handwerklichen Beruf. Sie qualifizieren sich stetig weiter.

In Zeiten knapper werdender öffentlicher Haushalte dürfen gesellschaftliche Probleme nicht auf dem Rücken der Schwächsten ausgetragen werden. Es geht darum, Jugendliche und junge Erwachsene nicht vom Arbeitsmarkt auszugrenzen. Es geht um Qualifizierung und Beschäftigung. Es geht darum, den Wegfall so genannter Einfacharbeitsplätze in den Industriebetrieben der Region dadurch auszugleichen, dass angemessene neue Arbeitsplätze und Beschäftigungsmöglichkeiten auch für leistungsschwächere junge Menschen entwickelt und eingerichtet werden. Und nicht zuletzt geht es auch um die Sicherung des sozialen Friedens, geht es darum, präventiv zu arbeiten, um spätere Kosten, z.B. im Bereich der Sozialhilfe zu vermeiden.

Trotz der unterschiedlichen Finanzierungen, neben Mitteln der Agentur für Arbeit un der ARGE Duisburg u.a. Zuwendungen aus dem Landesjugendplan, bleibt eine Spitzenfinanzierung durch das Bistum Essen unumgänglich. Außerdem werden regelmäßig Solidaritätsaktionen für arbeitslose Jugendliche durchgeführt, um eine zusätzliche Finanzierung durch den Diözesanrat der katholischen Frauen und Männer im Bistum Essen abzusichern.

Seit Anfang 2007 ist die Duisburger Werkkiste eine gGmbH. Mit der Änderung der Rechtsform ist ein Schritt zu dauerhafter Sicherung der Aktivitäten der Einrichtung geleistet worden. Dennoch steht die katholische Kirche in Duisburg noch immer der Duisburger Werkkiste stützend zur Seite. Und auch der Leitgedanke für das Engagement der Einrichtung ist geblieben: Im Mittelpunkt steht der Mensch.